Zu Gast aus den USA: Steiner-Herausgeber Christian Clement (links) mit Alanus-Rektor MarcelDa Veiga

Zu Gast aus den USA: Steiner-Herausgeber Christian Clement (links) mit Alanus-Rektor Marcelo Da Veiga

Auf Einladung von Professor Marcelo da Veiga war der Herausgeber der wissenschaftlichen Steiner-Ausgabe (SKA), Dr. Christian Clement von der amerikanischen Brigham Young University, zu Gast bei einem Kolloquium über Anthroposophie und Philosophie an der Alanus Hochschule. Unter dem Titel „Steiners romantischer Doppelgänger“ ging Clement dabei den Spuren Schellings in Steiners Werk nach. Beide seien sich vor allem in der Überschneidung von Philosophie und Theosophie nahe, so der Wissenschaftler. Steiners Bezugnahmen auf Schelling beginnen mit dem bekannten Jugendbrief an Köck aus dem Jahr 1881 und finden dann insbesondere in den Werken seiner Berliner Zeit ihren Niederschlag, wo es Steiner um eine philosophische Grundlegung der Einheit von Welt und Bewusstsein geht. Einflüsse Schellings finden sich laut Clement nicht nur in Das Christentum als mystische Tatsache,  sondern auch in den theosophisch-anthroposophischen Grundwerken, wenn z.B. in der Geheimwissenschaft der Eintritt in das Gebiet der Höheren Welten zugleich zu einem Wissen über die spirituelle Dimension der Weltentstehung führt. Ähnlich wie Steiner war auch Schelling der Überzeugung, dass der Mensch als ein noch nicht selbstbewusstes Ich dennoch in der Bewusstseinssubstanz bei der Schöpfung der Welt dabei war.

Clement betonte, dass eine ideengeschichtliche Kontextualisierung keineswegs die Bedeutung Steiners mindere, sondern im Gegenteil die übersinnliche Dimension Steiners möglicherweise philosophisch stützen könne. Abschließend fragte der Steiner-Herausgeber, ob nicht Steiner auch in der Idealismus-Forschung heute stärker berücksichtigt werden müsse: Schelling habe sein Werk als Aufruf zur Begründung einer noch zu schaffenden, ins praktische Leben wirklich eingreifenden Geistes-Wissenschaft gesehen. Insofern könne die Anthroposophie mit ihren Lebensfeldern wie Pädagogik, Medizin und Landwirtschaft auch als eine Erfüllung der Hoffnungen des deutschen Idealismus gesehen werden.