Auf Einladung von Pfarrer Frank Hörtreiter stellte Ansgar Martins im mit rund 80 Zuhörern voll besetzten Gemeindesaal der „Christengemeinschaft“ in Hannover Mitte Mai seine Forschungen über Hans Büchenbacher vor, der zu Beginn der NS-Herrschaft Vorsitzender der Anthroposophischen Gesellschaft in Deutschland war und aufgrund seiner jüdischen Abstammung zum Rücktritt gedrängt wurde. In seinen jetzt erstmals veröffentlichten Erinnerungen zieht Büchenbacher u.a. das bestürzende Fazit, dass rund zwei Drittel der Anthroposophen auf den Nationalsozialismus hereingefallen seien (mehr Informationen zum Buch).
buechenbacher
Trotz Kritik an einzelnen Details begrüßten sowohl Hörtreiter als auch der mitdiskutierende Arfst Wagner die Veröffentlichung, durch die ein wichtiges Dokument jener Zeit nunmehr zugänglich gemacht sei. Wagner hatte bereits vor mehr als 25 Jahren durch die Veröffentlichung von Dokumenten aus der NS-Zeit, die die damals verantwortlichen Anthroposophen in keinem guten Licht zeigen, eine Debatte anstoßen wollen, war aber auf wenig Verständnis gestoßen.

Als erster Eindruck nach dieser Veranstaltung ist festzuhalten, dass die Auseinandersetzung mit diesem schwierigen Kapitel der Anthroposophie heute offener und sachlicher geführt werden kann als früher. Anstelle immunisierender Abwehr kamen aus dem Publikum Fragen, ob es weitere Veranstaltungen dieser Art geben werde – der Info3-Verlag freue sich über Einladungen, hieß es. Am Ende war im herzlichen Schlussbeifall Respekt vor dem jungen Wissenschaftler Martins spürbar, der die umfangreiche Herausgabe mit scharfem Urteilsvermögen, aber nie mit der Überheblichkeit eines Spätgeborenen angegangen ist.