wm-2014Die Konsequenz und Vehemenz, mit der das Fußballverbot an Waldorfschulen noch vor rund 20 Jahren praktiziert wurde, war allerdings verblüffend. Auf die Frage nach den Gründen erhielt man eher nebulöse Verweise auf menschenkundliche Aspekte und entsprechende Erklärungen Rudolf Steiners. Das geht von allgemeinen Verweisen auf die Grobheit dieser Sportart über die „unnatürliche Benutzung der Beine und Degradierung der Hände“ bis hin zu Verstiegenheiten wie der Aussage, der Ball, als „Symbol der Erde“, dürfe nicht mit Füßen getreten werden. In Wahrheit gehen diese Erklärungen wahrscheinlich alle zurück auf das 1955 erschienene Buch Leibesübungen und Bewusstseinsschulung, in welchem der Waldorfturnlehrer Rudolf Kischnick den Fußball verteufelte und als „Totenkopfspiel“ bezeichnete.

Aber wie verhält es sich denn nun mit Rudolf Steiners „menschenkundlichen Hinweisen“? Zieht man die Gesamtausgabe („GA“) des Steinerschen Werkes zurate, findet man an interessanten Aussagen unter dem Stichwort Fußball: nichts. Es gibt zwar drei Fundstellen, doch deren Aussagekraft ist marginal. Steiner war Sport grundsätzlich sehr suspekt. Keine Frage. Und dass „die modernen Sportgeschichten wie zum Beispiel Fußball und so weiter“ den Menschen „mechanisieren“ (GA 156, 97f.), mag gar nicht falsch sein. Auch findet Steiner es bedauernswert, dass Fußball populärer ist, als in seinen Augen wichtigere Dinge (GA 350, 23). Und: „Heute machen es sich die Menschen viel zu bequem. Sie machen es sich wirklich viel zu bequem. Was ist heute am meisten international? Das Fußballspiel!“ (GA 350, 65) Und das war’s dann auch schon. Drei Fundstellen in über 350 Bänden.

Fußball verträgt sich übrigens sogar mit Eurythmie, wie die Aufführung des legendären Fußballkommentars beim „Wunders von Bern“ beweist, mit der die 13. Klasse der Rudolf-Steiner-Schule Hamburg-Bergstedt beim Internationalen Forum Eurythmie in Witten 2012 Furore machte:

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