Verstärktes Team (v.l.n.r.): Dirk Kannacher, Andreas Neukirch, Aysel Osmanoglu und Thomas Jorberg (Foto: GLS)

Verstärkter GLS-Vorstand (v.l.n.r.): Dirk Kannacher (neu), Andreas Neukirch, Aysel Osmanoglu (neu) und Thomas Jorberg (Foto: GLS)

Die Bilanzpressekonferenzen der GLS Bank glänzten in den letzten Jahren mit stets wachsenden Kunden- und Umsatzzahlen. Auch diesmal konnten die Bochumer bei ihrer in Frankfurt vorgestellten Jahresbilanz zweistellige Zuwachsraten präsentieren. So wuchs die Bilanzsumme abermals um fast 15 Prozent auf inzwischen über vier Milliarden Euro und noch immer kommen jeden Monat rund 2000 neue Kunden unter das Dach von Deutschlands bekanntester Ethik-Bank. Dennoch mischte sich diesmal unverkennbar eine Spur von Sorge in die Statements des Vorstands.

Vorstands-Chef Thomas Jorberg sprach von „einschneidenden Herausforderungen“. Grund dafür sei vor allem die anhaltende Null-Zins-Situation auf den Finanzmärkten. Die Flaute im Zinsbereich macht es nicht nur der GLS Bank, sondern sämtlichen Bankinstituten derzeit schwer, wie früher einen Großteil ihrer Betriebskosten durch Zinserträge zu erwirtschaften.

Als Gegenmittel hat sich die Bank ein strammes Optimierungsprogramm verordnet: „Die Effizienz soll in allen Bereichen bis 2017 um ein Viertel höher ausfallen“, erläuterte der Vorstand. 25 Prozent mehr Leistung in knapp zwei Jahren also bei gleichem Personaleinsatz, denn bei den Mitarbeitern hat die Bank einen Einstellungsstopp verhängt. Als weiteres Mittel will die Geschäftsleitung Kunden und Mitglieder durch einen „Solidarbeitrag“ – zusätzlich zur Kontoführungsgebühr – an den Kosten beteiligen. Entsprechende Vorschläge würden derzeit noch diskutiert und „irgendwo zwischen fünf und fünfzehn Euro im Monat“ liegen, sagte Vorstandssprecher Thomas Jorberg.

Derzeit sei die Welt-Finanzlage dadurch charakterisiert, dass einfach zu viel Geld auf dem Markt sei, sagte Jorberg. Auch in der Bilanz der GLS Bank selbst wird etwas von diesem Problem sichtbar: So stehen den Kundeneinlagen von knapp 3.6 Milliarden Euro Kundenkredite in Höhe von „nur“ etwa 2,1 Milliarden Euro gegenüber. Zudem verfügt die Bank über großzügige 1,4 Milliarden Euro freie Liquidität. Wenn man mit den GLS-Gründern eine Bank als Einrichtung definiert, die Geld von denen, die es haben an jene, die es brauchen vermittelt, dann hat es die GLS offensichtlich mit einem Ungleichgewicht zu tun. Der gestiegene regulatorische Aufwand bei der Vergabe von Krediten ist dabei sicherlich einer, aber vermutlich nicht der allein ausschlaggebende Grund. Um dem Finanzierungsbedarf im Bereich von Projekten und Gründungen besser nachzukommen, wird die GLS noch in diesem Jahr eine neue Crowdinvesting-Plattform vorstellen.

Um die vermehrten Zukunftsaufgaben offensiv angehen zu können, stellte sich in Frankfurt außerdem ein um zwei designierte Mitglieder erweiterter Vorstand vor: Die ursprünglich aus der Ökobank stammende Aysel Osmanoglu kümmert sich um die Optimierung der Infrastruktur, der 2010 aus einer deutschen Großbank zur GLS gewechselte Dirk Kannacher leitet das Basisgeschäft Privat- und Geschäftskunden. Die Bochumer Banker zeigten sich zuversichtlich, den anstehenden organisatorischen Umbau der GLS transparent und in engem Dialog mit Kunden und Mitgliedern voranbringen zu können.