Dass eine Regisseurin es wagt, einen Film zu drehen, in dem derart viel geredet, gedacht und geraucht wird, verdient allein schon großen Respekt. Margarete von Trotta hat in ihrem Werk über Hannah Arendt keine Kompromisse gemacht. Sie konstruiert keine Pseudo-Handlung und inszeniert keine Romanzen, sondern mutet den ZuschauerInnen Gespräche, ausführliche Debatten und lange, an Vorlesungen Arendts orientierte Monologe zu. Hannah Arendt, die Studentin und Geliebte Heideggers in Deutschland; die brillante Professorin in den USA und Zeitzeugin des Eichmann-Prozesses in Jerusalem; die jüdisch-deutsch-amerikanische Intellektuelle, die mit der berühmt gewordenen Analyse der „Banalität des Bösen“ ihre Zeitgenossen irritiert. Dass aus diesem Stoff kein langweiliger Zeigefinger-Film, sondern ebenso anspruchsvolle wie spannende Unterhaltung werden konnte, muss man vor allem den Darstellern (allen voran Barbara Sukowa in der Hauptrolle) zuschreiben, aber auch einem Drehbuch, das die zwischenmenschlichen Beziehungen der Hauptfigur nie ins Schmonzettenhafte abrutschten lässt.

Filme, deren Wirkung darin bestehen, uns herausragende Gedanken unter die Haut zu pflanzen, gibt es nicht viele. Wenn Hannah Arendt etwa auf der Leinwand erklärt, warum im Fall Eichmanns die Unfähigkeit zu denken das monströs Böse ermöglichte oder wenn sie die systematisierte Entpersönlichung als Wurzel des NS-Totalitarismus analysiert, dann wirkt das wie eine ganz neue Form von „Denk-Kino“. Es gibt aber auch mehr gefühlsbetonte Stimmungen, die Szenen zwischen der jungen Hannah und Heidegger beispielsweise oder jener Moment, wo die kühle Philosophin mit der rauhen Stimme einer Freundin auf die Frage nach ihrer großen Liebe antwortet, dass es eben Dinge gibt, die einen einzelnen Menschen übersteigen. Ein Film, der auf die Kraft der Gedanken baut und viel Stoff zu weiterem Denken schenkt.