Menschen zusammenbringen - eines der Ziele der Hannoverschen Kassen

Menschen zusammenbringen – eines der Ziele der Hannoverschen Kassen

Die Kunst im Leben ist zuweilen, sein Nichtwissen mit dem Nichtwissen anderer zu vereinen, um dann zuletzt ein gemeinsames Ziel zu finden. So erging es mir auf dem Weg zur „Schwanenburg“ in Hannover an der Leine, wohin die Hannoverschen Kassen ihre Mitglieder zum Austausch über die Frage nach unserer Zukunft im Alter unter dem Motto „Wie wollen wir leben?“ geladen hatten. Ohne einen anderen Nichtwissenden zu treffen, wäre ich länger in die falsche Richtung gelaufen. So waren wir zusammen nicht nur pünktlich, sondern hatten eine gute Grundlage zu verstehen, worauf es ankommt.

Unter der Gesprächsleitung von Hilmar Dahlem (Hannoversche Kassen) und Matthias Schenk, dem künstlerischen Leiter des Erfahrungsfeldes von Schloss Freudenberg bei Wiesbaden, setzten die Beiträger des Nachmittags kleine Blitzlichter auf ihre Projekte, um einzelne Aspekte in die Perspektive eines möglichen Zukunftsbildes stellten. Da ging es etwa mit Axel Janitzki um die juristische Gestaltung von tragfähigen Initiativen, mit Philipp Lettmann (Vorstand WALA) um den Umgang mit Ressourcen und Gewinn im Hinblick auf die Gemeinschaft und den Einzelnen, mit Christine Dietrich (Essenszeit) um die Frage, wie die Essenskultur an Waldorfschulen schmackhaft werden kann, mit Rolf Novy Huy (Stiftung trias) um neue Wohn- und Lebensformen. Wenige Meter entfernt schufteten auf Höhe des Veranstaltungsraumes Bauarbeiter im beeindruckenden Zusammenspiel mit imposanten Kränen an einem Neubau aus Beton.

Über den Köpfen der Zuhörer schwebten Steine an Schnüren in einer Installation von Matthias Schenk, die  nicht nur vage andeuteten, dass etwas auf uns zu zukommt, das gehalten sein will, um uns nicht zu verletzten. Etwas, das ein inneres Gleichgewicht braucht. Faszinierend war, wie Bewegung sich innerhalb dieser Installation fortsetzte: Wie sich zeigte, kann sie an Stellen erstarken, die nicht unmittelbar angestoßen worden sind, und nimmt Wege, die wir zuweilen weder vermuten noch wahrnehmen können.

So war es auch mit den Beiträgen. Was hat das nun mit dem Alter zu tun, dachte man sich hier und da; vielleicht sogar:  Bitte, wo bleibt denn der Kontext? Wo der Transfer? Den machte keiner. Stattdessen gab es Rosencreme zu riechen und Rosinen zu erforschen. So viel war da mit Stillsitzen und Zuhören nicht. Es kam Bewegung in die Sache, hier und da. Vielleicht da, wo man es zunächst einmal gar nicht erwartet hatte, nämlich in einem selbst. Und zwischen den Menschen, die sich da versammelt hatten und sich zu fragen begannen, worum es denn nun eigentlich geht.

Es gab keine Antworten, keine großen Visionen, keine fertigen Vorstellungen. Keine Diskussionen im Spannungsfeld von Machbarkeit und Idealismus. Die Bauarbeiter nebenan spritzten die Betondecke fertig und packten ihre Geräte zusammen. Die Sonne ging unter, und die Teilnehmer hatten Gelegenheit, ihre eigenen Fragen allmählich heraufdämmern zu lassen, für die dann am nächsten Vormittag Zeit sein sollte.

Die Kunst, so wurde deutlich, ist, zunächst einmal das Nichtwissen auszuhalten: Eine Atmosphäre des Vagen und Ungefähren entstehen zu lassen, in der etwas Gestalt annehmen kann, aber nicht muss, in der unser zielgerichtetes pragmatisches Denken erst einmal außer Kraft gesetzt ist. „Was heißt eigentlich alt?“, fragte Beatrice Dastis Schenk in ihrem abschließenden Beitrag und rief Bilder und Szenen ins Bewusstsein, die deutlich machen konnten, wie sehr unsere Denkgewohnheiten von unseren Ängsten, von unserer Erfahrungsunsicherheit, von unserem Kontaktmangel bestimmt sein mögen.

Neue Wege sucht, wer nicht mehr als eine Ahnung hat. Wer nicht mehr als eine Ahnung hat, kann alle seine Sinne brauchen. Wer alle seine Sinne nutzt, findet Impulse in sich und kann neue Potenziale erschließen. Tragfähig werden sie im Zusammenspiel mit anderen. Auf diese Weise sind bereits viele Initiativen entstanden, die die Frage nach dem guten Leben im Alter für sich mit eigenen Projektideen und deren aktiver Umsetzung zu beantworten suchen. Sie aufzugreifen, zu bündeln und zu vernetzen, nehmen sich die Hannoverschen Kassen zur Aufgabe. Wie sich hierfür Raum schaffen lässt, war an diesem Nachmittag zu erleben.

 




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