Gunmen kill at least 12 in shooting at French satirical magazine

Die Nachricht war weniger präsent als der Tod der Karikaturenzeichner: Beim Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo in Paris wurde auch der ‪Grundeinkommens-Befürworter Bernard Maris getötet.

Das französische Netzwerk ‪ Grundeinkommen würdigte den Ökonom und Globalisierungskritiker nach seiner Ermordung mit der Wiederveröffentlichung seines Textes Warum ist das Grundeinkommen eine Notwendigkeit der postkapitalistischen Gesellschaft?, der in Charlie Hebdo in der Ausgabe vom 27.12.2013 erschienen war. Darin heißt es unter anderem: „Das Grundeinkommen trennt die Arbeit vom Einkommen, und in diesem Sinn könnte es der Virus sein, der die kapitalistische Gesellschaft zerstören wird.“

Bernard Maris, Jahrgang 1946, war promovierter Ökonom und trat schon bald publizistisch zu Wirtschaftsfragen hervor. Als Mit-Gründer beteiligte er sich 1992 bei der Wiedergeburt von Charlie Hebdo mit elf Prozent der Anteile und war bis 2008 Vizedirektor des Magazins. Seine regelmäßige Wirtschafts-Kolumne veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Onkel Bernard“. Maris schrieb aber auch für andere Zeitschriften und veröffentlichte zahlreiche Bücher: Als Bewunderer von John Maynard Keynes hat er dem britischen Star-Ökonom das Buch Keynes ou l’économiste citoyen gewidmet. Seine Spezialität waren populäre Werke zu Wirtschaftsfragen, die allesamt originelle Titel trugen, so etwa Ah Dieu! Que la guerre économique est jolie ! (Oh Gott! Wie schön ist doch der Wirtschaftskrieg) oder Lettre ouverte aux gourous de l’économie qui nous prennent pour des imbéciles (Offener Brief an die Wirtschaftsgurus, die uns für Dummköpfe halten). 1995 verlieh ihm das französische Wirtschaftsmagazin Le Nouvel Economiste den Titel „des besten Ökonomen des Jahres“.

Neben seiner publizistischen Wirkung war Bernard Maris auch politisch sehr aktiv: Im wissenschaftlichen Beirat unterstütze er die globalisierungskritische Organisation ATTAC und 2002 stellt er sich in Paris als aktiver Grüner im 10. Arrondissement zur Wahl.  Maris gehörte außerdem seit 2008 der als politisch geltenden Freimaurerloge „Roger Leray“ an und wurde 2011 Aufsichtsratsmitglied der Bance de France. Obwohl er Befürworter des Maastrichter Vertrages war, wurde er später zum Kritiker des Euro. Außerdem war Maris ein Freund von Michel Houellebecq, er sah in ihm einer der luzidesten Analysten Frankreichs und widmete ihm 2014 das Buch Houellebecq économiste.

„Sicher, das BGE erfordert eine uneigennützige, eher bescheidene und intelligente Gesellschaft. Es ist nicht so sicher, dass sie noch weit entfernt ist … freiwillig oder zwangsweise“, schrieb Bernard Maris in einem seiner Aufsätze. Am 7. Januar setzte der Kugelhagel der Pariser Attentäter seinem Wirken für ein gerechteres Wirtschaftsleben ein gewaltsames Ende.

 




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